Nicht nur geträumt inspiration

Wenn diese Wände rede können, sie würden uns Geschichten von heimlichen Rendezvous und politischen Intrigen berichten. Imogen Lepere kennt einige sehr pikante Gute-Nacht-Geschichten

Andenken an Oscar Wilde L’Hotel, Paris

Das Haus war die letzte Adresse von Oscar Wilde und liegt im exklusiven Saint-Germain-des-Prés. Vermutlich ist das auch der Grund, warum der berühmte Schriftsteller nur allzu gern betonte: „Ich lebe über meine Verhältnisse.“ Eine andere Anekdote handelt von seinen letzten Worten. So soll er auf seinem Sterbebett gesagt haben: „Entweder diese Tapete verschwindet – oder ich.“

Vermutlich würden wir Wildes Kritik besser verstehen, wäre die Tapete nicht mittlerweile vom berühmten Designer Jacques Garcia ausgetauscht worden. Bei der Gestaltung des 200 Jahre alten Anwesens ließ er seiner Fantasie freien Lauf. Heute präsentiert sich die Oscar-Wilde-Suite mit dunklen Holz-Paneelen und einer grünen Tapete mit goldfarbenen Pfauen. Beim Blick auf die Marmorsäulen und violetten Vorhänge der Bar kann sich jeder vorstellen, wie Wilde hier einen Citrus 13, ein Mix aus Cognac, Champagner und Grapefruit, bestellte. Zum Dinner wählte er im Le Restaurant die Ente aus der Vendée mit Roter Bete und Feigen.

Nur 20 Zimmer hat das kleinste Fünf-Sterne-Hotel von Paris. Berühmtheiten wie Salvador Dali, Grace Kelly und Elizabeth Taylor schätzten besonders die angenehme Privatsphäre des Hauses. Wärmstens zu empfehlen ist übrigens die geräumige Chic-Suite.  

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Ab 740 Euro inkl. Frühstück, http://l-hotel.com

Mandelas Refugium Saxon, Johannesburg

„Mein teuerstes Ideal ist eine freie und demokratische Gesellschaft, in der alle in Harmonie und mit gleichen Chancen leben können. Ich hoffe, dass ich lang genug leben werde, um das zu erreichen. Doch wenn es nötig sein sollte, ist dies ein Ideal, für das ich zu sterben bereit bin.“ Diese Worte stammen aus der Verteidigungsrede von Nelson Mandela.

Als er 27 Jahre später aus der Haft entlassen wurde, zog er sich im Haus seines Freundes Douw Steyn in einem Vorort von Johannesburg zurück. Hier fand Mandela ausreichend Ruhe und Zeit, um seine Autobiographie zu beenden. Zwei Jahre später baute Steyn das Haus in das heutige Hotel Saxon um. Die Inneneinrichtung ist in gemütlichen, warmen Erdtönen gehalten, die Sammlung an afrikanischer Kunst äußerst beeindruckend, und der weitläufige Garten mit dem in der Sonne glitzernden Pool dank der Rhododendren sehr ruhig.

Absolut empfehlenswert ist eine geführte Tour auf den Spuren von Mandela. Hier lernen Sie Plätze und Menschen kennen, die eine Verbindung zu dem früheren Präsidenten hatten. 

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DZ inkl. Frühstück ab 404 Euro, http://saxon.co.za

Jammen wie Bob Marley Strawberry Hill, Jamaika

Wer hat auf Bob Marley geschossen? Die Antwort auf diese Frage ist nach wie vor offen. Sicher ist lediglich: Am 3. Dezember 1976 kamen die Attentäter in sein Haus, schossen seiner Frau in den Kopf und verletzten seinen Manager. Der Sänger konnte mit einer Kugel im linken Arm nach Strawberry Hill fliehen, wo er Zuflucht auf dem Anwesen seines Freundes und Musikproduzenten Chris Blackwell fand. Hier, in der warmen Brise der jamaikanischen Blue Mountains, entstand auch die Ballade Natural Mystic über die politischen Schwierigkeiten auf der Insel.

Blackwell besitzt auch heute noch jene Kaffeeplantage aus dem 18. Jahrhundert. Privatsphäre wird hier groß geschrieben. Die Einrichtung der zwölf Holzhäuser ist eine Mischung aus Kolonialstil und karibischen Elementen, geträumt wird in wunderschönen Himmelbetten, und vom Garten strömt herrlich-würziger Rosmarinduft in die Zimmer. Im Konferenzraum kann man übrigens musikalische Auszeichnungen von Marley entdecken.

Das Hotel liegt 914 Meter oberhalb der Hauptstadt Kingston. Das milde Klima hier ist perfekt für den Anbau der namensgebenden Erdbeeren, aber auch für Kaffee und Sternäpfel. Über den Pool hinweg genießt man am Morgen den Sonnenaufgang über den Hügeln.  

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Studios ab 323 Euro, http://strawberryhillhotel.com

Eine Affäre mit Folgen Cliveden House Hotel, Berkshire

Das Haus mit seinem italienischen Flair ist berüchtigt für seine Geschichten über Macht, Politik und Exzesse. Schon vor über 300 Jahren war es der sehr exklusive Spielplatz der aristokratischen Gesellschaft. Ein Ort der Infamie und Niedertracht. Vor allem die Profumo-Affäre ist im Gedächtnis geblieben: Profumo, damals Kriegsminister und Mitglied der Konservativen, pflegte eine Affäre mit einem 19-jährigen Showgirl. Doch nicht nur dieses Abenteuer war empörend – besagter Dame wurde auch ein Tête-à-Tête mit dem Marine-Attaché der sowjetischen Botschaft nachgesagt.

Heute zählt das Hotel zu Englands führenden Landgasthäusern, in dem jedes Zimmer nach einem der vielen berühmten Gäste benannt und dementsprechend auch eingerichtet ist. Etwa das T.E.-Lawrence-Zimmer im orientalischen Stil oder die Prince-of- Wales-Suite. Nicht Charles oder William, sondern Frederick, der Sohn von King George II., war hier der Namensgeber.

Immer wieder werden in der großen Halle Empfänge gegeben. Und ja, nach einigen Gläsern Wein wird dort auch heute noch über die Profumo-Affäre geredet. 

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DZ ab 530 Euro, http://clivedenhouse.co.uk

Der Glamour des großen Gatsby The Plaza, New York

Seit einiger Zeit erleben die goldenen 20er-Jahre ein fulminantes Comeback. Und wo könnten wir der Faszination für diese Dekade näher kommen als in diesem typischen Hotel. Ernest Hemingway hat F. Scott Fitzgerald damals geraten, sein Herz an das Plaza zu vergeben. Eine Empfehlung, welcher er gern folgte. Immer wieder verbrachte er mit seiner Frau Zelda hier die Nächte und tobte in Gatsby-Manier durch den Hotelbrunnen. Für das ultimative Gatsby-Gefühl sollten Sie folglich die Fitzgerald-Suite buchen. Ganze 65 Quadratmeter wurden dem schillernden Helden gewidmet. Baz Luhrmann drehte hier Szenen seines berühmten Films aus dem Jahr 2013. Definitiv werden Sie Art-déco-Elemente wie die Kronleuchter aus Glas wiedererkennen. Die Nächte verbringen Sie kuschelig eingehüllt in mit den Initialen JG und DB bestickten Bademänteln. Dazu gibt es standesgemäß Champagner. Unverzichtbar ist der Besuch des Rose-Club auf einen Mint Julep – früher tummelten sich hier Jazz-Legenden wie Billie Holiday. 

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DZ ab 905 Euro, http://theplazany.com

Ort der Zuflucht Raffles-Hotel Le Royal, Kambodscha

Im Jahr 1975 eroberten die Roten Kymer Phnom Penh. Und während viele die Flucht ergriffen, versammelten sich einige Ausländer, Botschafter und Kriegsberichterstatter im Hotel Le Royal, welches zur neutralen Zone erklärt wurde. In Erinnerung an die letzten Tage der Stadt schrieb der Journalist Jon Swain später, das Haus sei der letzte Ort gewesen, an dem der verschlafene Vorkriegs-Charme der Stadt noch zu spüren gewesen sei. Als die Stadt am 17. April fiel, endete eine Ära. Das Raffles ist eines von nur zwei Luxushotels, die aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg stammen.

Wer es heute besucht, erlebt das Flair einer längst vergangenen Epoche: Schwarz-weiße auf Hochglanz polierte Fliesen, Art-déco- Möbel und kühle Leinenvorhänge dominieren die Empfangshalle. Die Zimmer sind mit Seide aus Kambodscha dekoriert und viele haben noch eine der Original-Badewannen mit Krallenfüßen.

Im Restaurant Le Royal sollten Sie aus einem der beiden Royal- Menüs wählen. Einige der Rezepte, etwa der Wasserlilien-Salat, stammen ebenfalls noch aus der Vorkriegszeit von König Sihanouk persönlich. 

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DZ ab 185 Euro, http://raffles-hotels.de

Auf Napoleons Wegen Belmond Villa San Michele, Florenz

Es gibt nur wenige Orte, die so ursprünglich italienisch sind wie dieser. Das Hotel ist nicht nur ein ehemaliges Franziskaner- Kloster, seine Fassade wurde von keinem Geringerem als Michelangelo gestaltet. Dazu liegt es auf einer Bergkuppe mit Blick auf Florenz, das Arno-Tal und die Chianti-Berge im Hintergrund.

Die ganze Pracht der Toskana ist hier einfach überwältigend. Ob es nun die Zitronenhaine der Terrassengärten sind, die schon im 15. Jahrhundert von den Mönchen angelegt wurden, oder die verworrenen Gänge im wunderschönen Renaissance-Stil, die zum Restaurant La Loggia führen. Dessen Terrasse offenbart das nächste Highlight und zählt mit ihrer atemberaubenden Aussicht zu den romantischsten Plätzen der Gegend. Dazu ein traditionelles Menü aus Carpaccio, Parmesan und erlesenen Weinen – perfekt.

Wirklich einzigartig ist die palastartige Michelangelo-Suite, die sich entlang der gesamten Fassade erstreckt. Hier residierte schon Napoleon Bonaparte während seiner Zeit in Florenz. Die Möbel sind Maßanfertigungen aus Kirsch- und Walnussholz, Fresken schmücken die Wände im Badezimmer, der Marmorkamin ist ein absoluter Hingucker.  

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DZ ab 623 Euro, http://belmond.com/de

Im Bett mit Marlene Dietrich Hôtel du Cap-Eden-Roc, France

Vollkommen zu Recht wird dieses Haus auch die Grande Dame der Côte d’Azur genannt. Seit über 140 Jahren wird Service und Diskretion auf höchstem Niveau geboten. Man ist sogar so diskret, dass einst Marlene Dietrich und der Politiker Joseph Kennedy eine Affäre quasi vor den Augen ihrer Kinder und Ehepartner führen konnten. Mehr noch: Nach einiger Zeit verkehrte Marlenes Geliebte, die Jetset-Abenteurerin Joe Carstairs, ebenfalls in dem Hotel. Damals muss der noch junge John F. Kennedy neidvoll zu seinem Vater Joseph aufgesehen haben. Immerhin: Später soll die Dietrich auch ihn im Weißen Haus verführt haben ...

Der einzigartige Service und die grandiose Lage des Hôtel du Cap ist seit Generationen bei den Schönen, Reichen und Berühmten äußerst beliebt. Dabei setzt man in den Zimmern auf zeitloses, elegantes Design im Landhausstil. Die gemusterten Tapeten sind geschmackvoll, die mit Blumen bedruckte Bettwäsche zeigt sich in dezenten Tönen, und von den bepflanzten Balkonen blicken die Gäste auf das azurblaue Mittelmeer.

Tagsüber lassen sich mit einer Jacht die Îles de Lérins oder einsame Buchten erkunden. Abends geht es zum Dinner ins Eden- Roc-Restaurant – die begehrteste Adresse an der gesamten Riviera. Hier genießt man französische Klassiker wie Bouillabaisse mit Langusten, zum Dessert werden handgemachte Pralinen gereicht. 

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DZ ab 550 Euro inkl. Frühstück, http://hotel-du-cap-eden-roc.com

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