Wo es schon zum Frühstück Pho-Suppe gibt, gebratene Enten am Straßenrand warten und der Kaffee mit einer Schaum - haube aus Eigelb serviert wird, muss das Paradies sein. Das ist Hanoi zwar nicht ganz, doch kulinarisch liegt die Hauptstadt Vietnams ganz weit vorn
Reise-Informationen
Hanoi liegt am Ufer des Roten Flusses und rund 140 Kilometer landein- wärts des Golfs von Tonkin im Norden Vietnams. Die Amtssprache ist Vietnamesisch, wobei die Menschen in der Hauptstadt einen ganz eigenen Dialekt pflegen. Die Währung ist der Vietnamesische Dong (VND). Zeitverschiebung: MEZ +6. Den Noi Bai International Airport (HAN) erreicht man von Deutschland aus in etwa elf Stunden.
HINKOMMEN Vietnam Airlines bietet Direktflüge von Frankfurt a. M. zum Noi Bai International Airport an. vietnamairlines.com Emirates fliegt von Hamburg mit Zwischenstopp in Dubai nach Hanoi. emirates.com
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Vietnam hat bewegte Jahrzehnte hinter sich, heute gilt das Land als die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft Südostasiens. Diese Aufbruchstimmung spürt man sofort, wenn man durch die Altstadt von Hanoi geht - durch von Bäu- men gesäumten Gassen, vorbei an Fenstern mit verwitterten Fensterläden aus Holz, die noch von der französischen Kolonialzeit erzählen. In den angrenzenden Vierteln dagegen ragen überall imposante Stahlgerüste und moderne Hochhäuser in die Höhe. Vor dieser urbanen Kulisse zieht vor allem Hanois Food-Szene immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Essen war in der vietnamesischen Metropole dank Garküchen und kleinen Lokalen zwar schon immer allgegenwärtig, doch gleichzeitig wächst die Mittel- schicht, und besonders die junge Bevölkerung hat mehr Geld als je zuvor. Abends sind die Plätze und Bürgersteige voller Einheimischer: Uberall entstehen gerade Cafés und Restaurants, und man trifft sich, um die nächsten Trendgerichte zu kosten. Trotz aller Lust auf Neues hält Hanoi jedoch an seinen Traditionen fest. Nicht ohne Grund gehört der Satz „Mon ngon nhat la mon me nau” („Am besten schmeckt es eben doch bei Mama”) zu den beliebtesten Sprüchen im Land. Ob man also auf einem Plastikstuhl am Straßenrand sitzt oder im Spitzenrestaurant - wer Hanoi verstehen will, muss essen. Die beiden wichtigsten innerstädtischen Bezirke Tay Ho und Hoan Kiem erstrecken sich rund um zwei markante Seen - den Ho Tay (auf Deutsch auch Westsee) im Nordwesten und den Hoan- Kiem-See im Süden. Ho Tay ist Hanois größter Süßwassersee, Hei- mat der Tran-Quoc-Pagode und umgeben von Parks, luxuriösen Hotels, Cafés und Restaurants. Hoan Kiem wirkt dagegen fast intim: Der kleine See lockt mit einem Tempel und einer Insel in der Mitte, auf der der ikonische Schildkrötenturm steht. Übersetzt bedeutet der Name übrigens „Schwertsee”. Der Legende nach soll Kaiser Le Loi der Schildkröte hier im 15. Jahrhundert ein magisches Schwert zurückgegeben haben. Mit dem Schwert, das ihm ein Gott geschenkt hatte und das ihm die Kraft von 10000 Männern verlieh, konnte er Vietnam von der chinesischen Besatzung befreien. Nördlich des Hoan-Kiem-Sees beginnt auch die Altstadt. Die Straßen Hang Dao, Luong Van Can und Hang Ngang sind gesäumt von schmalen Häusern.
Am Wochenende wird die Hoan Kiem Walking Street zur Bühne für Straßenkünstler, es gibt Nachtmärkte, an den Essensständen wird um die Wette gebrutzelt, und überall wird gespielt: Federball, Seilspringen, Tauziehen. Auch für Foodies ist das Viertel einer der spannendsten Orte der Stadt. An der berühmten Bun cha etwa führt kein Weg vorbei: Das Traditionsgericht besteht aus saftigen Schweinebällchen und dünn geschnittenem, über Holzkohle gegrilltem Schweinebauch in einer süß-salzigen Brühe, dazu isst man Reisnudeln und frische Kräuter. Weltweit bekannt wurde das Gericht, als der damalige US-Präsident Barack Obama es in einer Fernsehsendung mit dem TV-Koch und Autor Anthony Bourdain probierte. Im Restaurant Bun Cha Huong Lien steht der Tisch, an dem die beiden saßen, heute wie ein Muse- umsexponat in einer Glasvitrine. Trotz des Hypes ist das Lokal nach wie vor eine der besten Adressen für Bun cha in Hanoi. Auch ein kurzer Abstecher zu Xoi Yen in der Nguyen Huu Huan Street lohnt sich - dort dreht sich alles um gedämpften Klebreis, Xoi. Und der blickt auf eine jahrtausendelange Geschichte zurück, denn er hat seine Wurzeln in den Kulturen der Tay-Thai und Mon- Khmer. Klebreis war das erste Getreide, das in der Region angebaut wurde und galt im alten Vietnam als Hauptspeise. Heute gibt es für jede Gelegenheit die passende Variante. Für einen schnellen Snack werden Xoi vung lac (Klebreis mit gemahlenem Sesam und Erdnüs- sen) oder Xoi ngo (Klebreis mit Mais) verwendet, auf Wunsch mit Extras wie Schweinefleisch, Leberpastete, Spiegelei oder Hühnchen. Und wer Süßes mag, wird am Dessert Xoi che seine Freude haben. In derselben Straße gibt es mehrere Cafés, in denen eine weitere Spezialität Hanois serviert wird: Eierkaffee. Was vielleicht im ersten Moment seltsam klingt, ist ein köstliches Zusammenspiel aus viet- namesischen und französischen Einflüssen. Erfunden wurde das Getränk während des Ersten Indochinakriegs (1946-1954) von Nguyen Van Giang, einem Barkeeper in Hanoi. Als die Milch knapp wurde, schlug er kurzerhand Eigelb in einen Café au lait - sehr zur Freude seiner Gäste. Bald darauf eröffnete er das Café Giang, das heute von seinem Sohn in zweiter Generation geführt wird. Für den Eierkaffee werden Eigelb mit Milch und Zucker von Hand schaumig geschlagen und anschließend erhitzt. Das Ergebnis ist eine fast souffléartige Eiercreme, die sich wie eine Mousse auf den Kaffee legt. Wer ihn nicht bei Familie Nguyen trinkt, bekommt im Ca Fe Lam in der belebten Nguyen Huu Huan Street im Viertel Hoan Kiem ebenfalls eine exzellente Variante. Obwohl die beiden Seen nur etwa fünf Kilometer auseinander- liegen, wirkt der deutlich größere Ho Tay mit dem umliegenden Viertel Tay Ho wie eine ganz eigene Welt. Die Gegend ist geprägt von Parks und Gärten, luxuriösen Hotels und Apartmenthäu- sern. Beim Spaziergang entlang des Ufers kommt man an franzö- sisch anmutenden Villen vorbei. Auf der Hoang Dieu Street führt eine Reihe eleganter Stadtvillen bis zur Kaiserzitadelle Thang Long - einer Festungsanlage aus dem 11. Jahrhundert und UNESCO- Weltkulturerbestätte. Am Ende der Hoang Dieu Street landet man dann in der Phan Dinh Phung Street, die als eine der schönsten Straßen Hanois gilt: ein 1,5 Kilometer langer grüner Tunnel aus meterhohen Dracontomelon-Bäumen. Diese immergrünen Bäume zählen übrigens zu den Sumachgewächsen. Straßenverkäufer bieten hier Süßigkeiten aus den Früchten an. In Tay Ho selbst orientieren sich die Foodstände an dem Geschmack der Einheimischen aus den umliegenden Wohnvierteln. Ein Besuch des Nachtmarkts ist eine Möglichkeit, einen Einblick in das Leben der Nachbarschaft zu erhalten. Der Dong-Xuan-Market ist Hanois größter überdachter Markt und ein quirliger Dreh- und Angelpunkt für Waren aller Art, von Kleidung bis Souvenirs. Nur einen kurzen Spaziergang entfernt ist der Long-Bien-Market, der älteste und geschäftigste Markt der Stadt. Geöffnet ist er rund um die Uhr, richtig lebendig wird es aber ab Mitternacht, wenn frische Ware zu Großhandelspreisen angeliefert wird. In den Foodcourts der Märkte und den umliegenden Straßen reiht sich ein Stand an den anderen - hier gehen traditionelle Snacks und Gerichte wie Banh cuon (gedämpfte Reisröllchen) oder Pho, die klassische Rindfleischsuppe mit Reisnudeln, über die Theken. Die Pho-Suppe hat sich übrigens zum echten Exportschlager der vietnamesischen Küche entwickelt - heute wird die Nudelsuppe in fast jeder größeren Stadt der Welt verkauft. Ursprünglich stammt sie allerdings aus dem Norden Vietnams, während die Version, die im Westen bekannt wurde, vor allem durch die südvietnamesische Diaspora geprägt ist. Die nordvietnamesische Variante hat ein ähnliches Aroma, enthält aber weniger von den typischen Pho- Gewürzen wie Zimt, Sternanis und Nelken, dazu auch weniger Zucker. Hanoi selbst hat auch eine eigene Variante, Pho ga, bei der Hühnchen statt Rindfleisch in die Brühe kommt. Wie so oft in Vietnam stolpert man auch in Hanoi meist eher zufällig über gutes Essen. Am Rand des Dong-Xuan-Markets etwa steht auf dem Bürgersteig ein kleiner Stand mit Pho ga. Vor dem Pho Ga Nam Minh Lieu haben höchstens 15 Gäste Platz. Wenn Sie einen der heiß begehrten Drehhocker ergattern, erwartet Sie eine duftende Schüssel mit frischen Shiitakepilzen und Innereien vom Huhn, langsam in ausgelassenem Hühnerfett geschmort. Es mag eine ungewöhnliche Kombination sein, aber ganz sicher werden Sie sie bis auf den letzten Tropfen genießen. Chinesische Einflüsse finden sich überall, einerseits wegen der Nähe zu China, der historischen Perioden chinesischer Besatzung und wegen der Migranten werden Besucher auch chinesische Ein- flüsse in der einheimischen Küche und Gerichten wie beispiels- weise Mi Vit Tiem (Entenei-Nudelsuppe) und duftender gebrate- ner Ente bemerken. Obwohl Anh Phongs Entenstand in einer Gasse nahe des Chau-Long-Tempels auf keiner Karte verzeichnet ist, kann man ihn nicht verfehlen: Der Duft dieser auf Holzkohle gerösteten Spezialität zieht Hungrige unwiderstehlich an. „Sie werden es bereuen, wenn Sie hier nichts kaufen!”, ruft eine treue Stammkundin. Das entlockt Anh („Bruder”) Phong ein breites Grinsen. Er erzählt gerne Geschichten aus seinem Leben, während die Kunden auf ihre Bestellung warten. Wie so viele Straßenverkäu- fer in Vietnam hat er seinen Eckstand aus der Not heraus eröff- net. Heute, mit Ende 30 und als Vater zwei kleiner Kinder, erzählt er, wie orientierungslos er sich fühlte, als sein erstes Kind geboren wurde. Weil er schon immer ein Händchen fürs Kochen hatte, wagte er zusammen mit seiner Frau schließlich den Versuch und stellte sich mit einem Grillwagen auf die Straße. „Wenn wir es nicht ausprobiert hätten, hätten wir nie erfahren, wie es gelaufen wäre”, sagt er. Und bei ihm lief es gut: Schnell sprach die gesamte Nachbarschaft über seine Ente. Manche Kunden kommen täglich vorbei, manchmal auch nur, um eine Portion ausgelassenes Entenfett zum Kochen mitzunehmen. Anh Phong mariniert seine Ente mit Zitronengras, Fünf-Gewürze- Pulver, Knoblauch, Salz, Zucker und Glutamat und füllt sie an- schließend mit La mac-mat-Blättern - einer grünen Pflanze aus dem Hochland im Norden Vietnams. In der östlichen Medizin werden diese Blätter eingesetzt, um die Leber zu schützen und Magenbeschwerden zu lindern. Ihr mild-säuerliches Aroma passt ausgezeichnet zu den kräftigen Noten von Knoblauch und Chili. Spätestens nach dem ersten Bissen merkt man, dass diese Ente mit nichts zu vergleichen ist: Wie so viele Speisen in Hanoi schmeckt sie zugleich vertraut - und doch völlig einzigartig.
Wo man am besten übernachtet
Aira Boutique Hanoi Hotel & Spa In einer Allee im Diplomatenviertel warten im siebten Stock eine Skybar mit 360-Grad-Panoramablick, ein preisgekröntes Restaurant, ein Spa und ein Infinity-Pool auf die Gäste dieses luxuriösen Hotels. DZ ab 81 Euro. 38A Tran Phu Street, Dien Bien Ward, Ba Dinh District, +84-24-39352485, airaboutiquehanoi.com
La Siesta Classic Hang Thung Die 70 Zimmer des Hauses sind modern und elegant. Für Gemütlichkeit sorgen traditionelle Rattanmöbel und Stoffe in Naturtönen. DZ ab 48 Euro. 21 Hang Thung Street, Old Quarter, Hoan Kiem District, + 84-24-39380963, lasiestahotels.com/hangthung
La Nueva Boutique Hotel Nach einem Tag in der lebhaften Metropole kommt man hier in der Nähe des Hoan-Kiem-Sees zur Ruhe. Sowohl die Rooftop-Bar als auch das Restaurant sind exzellent. DZ ab 78 Euro. 32 Lo Su Street, Hoan Kiem District, + 84-24-32016911, lanueva.vn
Hanoi Le Jardin Hotel & Spa Obwohl das Haus im Stadtteil Ba Dinh ruhig gelegen ist, erreicht man den Westsee, den Quan-Thanh-Tempel und das Stadttor schnell zu Fuß. DZ ab 119 Euro. 46A Nguyen Truong To Street, Ba Dinh District, + 84-24-39275515, lejardinhotels.com
Peridot Grand Luxury Boutique Hotel Dieses Hotel punktet mit urbanem Flair auf Fünf-Sterne-Niveau. Es ist nur wenige Gehminuten vom Dong Xuan Market in der Altstadt entfernt. Hier warten Fine Dining im Olivine Restau- rant, ein Outdoor-Pool und ein Spa auf die Gäste. DZ ab 118 Euro. 33 Duong Thanh Street, Hoan Kiem District, +84-24-38280099, peridotgrandhotel.com
Essen
Anh Phong’s Ha Noi Für die gegrillten Enten von Anh Phong steht die Kundschaft gerne Schlange. Man findet ihn in der Nähe des Chau-Long- Tempels. Ente etwa 8,50 Euro. Ngo Chua Chau Long, Ba Dinh Bun Cha Huong Lien Dieses mehrstöckige Restaurant wurde durch eine Fernsehshow mit Gastauftritt von Barack Obama berühmt. Folgen Sie der schmalen Treppe und genießen das über Kohle gegrillte Schweinefleisch inmitten von einheimischen Stammkunden und Touristen. Gerichte etwa 3 Euro. 24 P Le Van Huu Street, Hai Ba Trung, + 84-24-39434106
Ca Fe Lam Bei einem Eierkaffee am Straßenrand kann man die quirlige Atmosphäre Hanois auf sich wirken lassen. Eierkaffee etwa 1 Euro. 60 P Nguyen Huu Huan Street, Hoan Kiem, +84-24-38245940
Cafe Giang Hier wurde der Eierkaffee erfunden. Kaffee etwa 1 Euro. 39 P Nguyen Huu Huan Street, Hoan Kiem, + 84-989-892298, cafegiang.vn
Pho Ga Nam Minh Lieu Dieser Stand in der Nähe des Dong-Xuan- Markets ist ein echter Geheimtipp für die berühmte Hühner-Pho der Stadt. Pho etwa 3 Euro. 17 Hang Khoai Street, Hoan Kiem
Xoi Yen Dieses auf Klebreis spezialisierte Lokal ist bei Einheimischen beliebt. Besonders köstlich ist die Kombination mit chinesischer Wurst, in Fischsauce gekochtem Ei und pochiertem Huhn. Gerichte etwa 3 Euro. 35b P Nguyen Huu Huan Street, Hoan Kiem, +84-24-62593818
This article was published on 12th August 2026 so certain details may not be up to date.

